Ein geselliger Abend mit Federweißer & Zwiebelkuchen (gf, v)

Einmal im Jahr, wenn der Herbst in seiner vollen Farbenpracht steht, ist es Zeit für unser jährliches Zwiebelkuchenessen. Neben dem Hefeteig-Schmand-Speck-Klassiker reichen wir eine Spezialvariante, die auch für Gäste mit Ernährungseinschränkungen (Gluten- & Milchunverträglichkeit, Vegetarier) geeignet ist.

Gibt es etwas Schöneres, als ein Abend unter Freunden? Leider schafft man es im hektischen Alltag immer seltener in großer Runde zusammen zu kommen. Umso schöner ist es, wenn man gemeinsame Traditionen pflegen darf, wie zum Beispiel unser jährliches Zwiebelkuchenessen.

Heute noch habe ich mich gefragt, was eigentlich den Startschuss zu dieser Tradition gegeben hat. Damals habe ich mich vegan ernährt und besuchte mit meinen Eltern den Zwiebelsmarkt in Bad Breisig. Man könnte ja meinen, dass es dort Zwiebeln, Zwiebelkuchen und Federweißen gibt. Dass es sich um eine Veranstaltung zum ursprünglichen Zweck des Austauschs von Blumenzwiebeln handelt, habe ich erst vor Ort erfahren. Mal abgesehen davon, ist der ursprüngliche Zweck inzwischen einer allgemeinen Verkaufs- und Rummel-Veranstaltung gewichen auf der es lediglich noch einen Stand mit Blumenzwiebeln gibt. Trotzdem hat mich dieses ursprüngliche Bild nicht losgelassen, das eine Sehnsucht nach diesem wärmenden und nach Heimat schmeckenden Gericht ausgelöst hat. Nicht allzu verwunderlich, gibt es in Bad Breisig keinen veganen Zwiebelkuchen zu kaufen – hätte ich mir ja auch denken können. Das hat dazu geführt, dass ich den ganzen Tag so lange meine Mutter angequängelt habe, bis sie ihre Pläne über Bord geworfen hat und wir ein Blech Zwiebelkuchen gebacken haben – ¾ normal und ¼ durfte ich vegan gestalten. Mein Auftakt als Zwiebelkuchen-Bäckerin. Damals bestand die Creme aus Mandel-Cuisine und in Ermangelung der Kocherfahrung, war diese auch eher eine Sauce denn eine gebundene Creme. Aber der erste Pfannkuchen gelingt ja nie 🙂

Glutenfreien Zwiebelkuchen zubereiten

Nun begab es sich im Folgejahr, dass sich das Zwiebelkuchen-Fieber schon einige Wochen im Voraus angekündigt hat. Dieses Mal wollte ich den Anlass jedoch dafür nutzen, alle meine Freunde zusammen zu trommeln und zu bekochen. Mal abgesehen davon, dass es die liebsten Menschen der Welt sind, habe ich einfach gerne Gäste zum Bewirten im Haus. Da ich mit einem Karnivoren zusammen lebe, komme ich nur leider nicht drum herum, den Gästen zumindest eine Variante mit Speck anzubieten. Ok, ok, um ehrlich zu sein war die Relation Speck zu Tofu ausgeglichen. Um die Fehler des ersten „Pfannkuchens“ nicht zu wiederholen, habe ich mich dieses Mal ausgiebig mit der Recherche eines veganen Zwiebelkuchenrezeptes vorbereitet, was letztlich auch zum Erfolg geführt hat. Besonders stolz war ich damals auf den Hefeteig – der Dank meines neuen Knet-Helfers, a.k.a. „die Bosch“, erstmals wirklich vorzeigbar war.

Aufgegangener Zwiebelkuchenteig

Das Jahr darauf hatte ich meinen veganen Lebensstil vollständig an den Nagel gehängt, geblieben ist eine Pesketarierin mit Laktose-Unverträglichkeit. Wenn euch die Gründe hierfür interessieren, hinterlasst mir gerne einen Kommentar und ich widme dem Thema eine eigene Geschichte.

Zurück zum Thema: Im letzten Jahr waren meine Zwiebelkuchen-Skills schon ziemlich ausgereift. Zugegebener Maßen war ich durchaus voller Vorfreude, in der vegetarischen Variante Ei und laktosefreien Creme Fraiche einarbeiten zu können. Denn ist man mal ehrlich, so hat es durchaus einen Grund, warum bestimmte Rezepte nahezu unverändert von Generation zu Generation weiter gereicht werden. Die Herausforderung lag in dem Jahr an anderer Stelle: Eine gute Freundin, damals auf einer strengen Paleo bzw. Keto-Diät, hatte sich als Besuch angekündigt. Ich habe gleich meine Fühler ausgestreckt und nach Möglichkeiten gesucht, den Zwiebelkuchen möglichst Low-Carb und ohne nach-steinzeitliche Produkte zuzubereiten. Leider ist Low-Carb nicht mein Fachgebiet, weshalb es wohl auch nicht besonders hübsch (im Sinne von Foto-tauglich) geworden ist. Aber geschmeckt hat es trotzdem.

Es war ein wundervoller Abend und jeder hat noch einen Teller mit ausreichend Zwiebelkuchen für eine ganze Mahlzeit mit nach Hause bekommen – „lieber zu viel als zu wenig“ hatte ich wohl etwas zu wörtlich genommen.

Ihr seht, eine lange Historie der Zwiebelkuchen-Varianten und das jährliche Perfektionieren des Klassikers hat mich optimal auf den heutigen Tag vorbereitet. Dieses mal habe ich mir als Ziel gesetzt, eine cleane Variante des Zwiebelkuchens zu schaffen, die so lecker ist, dass man die gesundheitsförderlichen Eigenschaften nicht zu erwarten vermag.

Geräucherter Tofu anstelle Speck im Zwiebelkuchen

Gesagt, getan. Wagen wir uns zunächst an den Boden, der natürlich glutenfrei und ohne Butter sein soll. Ein sehr einfacher und köstlicher Mürbeteig ist dabei herausgekommen, der perfekt für Quiches und Tartes geeignet ist: Kichererbsenmehl, Eiklar, Apfelessig und Salz. Endlich mal ein glutenfreier Mürbeteig, der schön knusprig wird.

Proteinreicher Quicheteig aus Kichererbsenmehl

Für die Füllung braten wir den Räuchertofu mit ein wenig Olivenöl schön knusprig und geben nach ein paar Minuten die Zwiebeln hinzu. Eine Prise Muskat, etwas Kümmel und natürlich Pfeffer und Salz nicht zu vergessen. Ich weiß, Kümmel ist nicht jedermanns Sache und das Ergebnis wird nicht weniger köstlich, wenn ihr darauf verzichtet. Ich setze ihn aber in kleiner, fast subliminaler Menge ein, da er die Zwiebeln bekömmlicher werden lässt.

Zwiebelkuchenfüllung mit RäuchertofuNun noch die Frage der Fragen: Was ist wohl geeignet um die wunderbare Ei-Schmand-Creme zu ersetzen? In Hafer- oder Mandel-Cuisine ist mir einfach zu viel unnötiger Kram drin, das kommt entsprechend nicht in Frage. Seidentofu hingegen, gut gewürzt und mit etwas Speisestärke angedickt, macht sich ziemlich gut als bindendes Glied zwischen Zwiebeln und Teig.

Foodfluesterin_Zwiebelkuchen_clean_Sliced3.jpg

Bon Appetit!

P.S.: Wie ihr sehr habe ich neben dem glutenfreien Zwiebelkuchen auch eine klassische Hefeteig-Variante zubereitet. Ein Blech war zur Hälfte mit Speck und Schmand und die andere Hälfte mit griechischem Schafsjoghurt und Räuchertofu belegt. So konnten nahezu alle bei der ersten Runde mitessen und den ersten großen Hunger stillen. An zweiter Stelle kam unser proteinreicher glutenfreier Zwiebelkuchen mit Seidentofu-Creme und die dritte Runde bestand ausschließlich aus Schmand und Speck.

Zwiebelkuchen Blech für Vegetarier und Fleischesser

Ich wollte zu viele Reste unbedingt vermeiden und hatte entsprechend knapper als noch in den Vorjahren kalkuliert. Für den Fall, dass der Hunger doch größer als gedacht sein sollte, wollte ich aber vorbereitet sein: Also habe ich einen fertigen Pizzateig gekauft, so dass ich Ruckzuck einen weiteren Zwiebelkuchen aus dem Ärmel zaubern kann. Das Rezept für den Abend rettenden, unkomplizierten Blitz-Zwiebelkuchen stammt von der lieben Emmi.

Zwiebelkuchen (gf, veggy)

  • Portionen: 4
  • Schwierigkeit: einfach
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Zutaten

    Glutenfreier Mürbeteig
  • 1,5 Cup Kichererbsenmehl
  • 1/4 Cup Eiklar
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 EL Apfelessig
  • 1 TL grobes Meerzsalz
  • Füllung
  • 3 große Gemüsezwiebeln
  • 150g Räuchertofu
  • 1 EL Olivenöl
  • 1 TL Kümmel
  • 1 Prise Muskat
  • Salz, Pfeffer
  • Creme
  • 400g Seidentofu
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1,5 EL Speisestärke
  • 1 EL Olivenöl
  • Salz & Pfeffer

Anweisungen

  1. Vermenge die Zutaten für den Teig und knete alles ein paar Minuten gut durch. Wickle nun den Teig in Frischhaltefolie und lasse ihn mind. 30 Minuten im Kühlschrank ruhen.
  2. Halbiere die Zwiebeln und schneide sie in Ringe. Würfel den Tofu. Erhitze das Öl in einer Pfanne, brate den Tofu ein paar Minuten ordentlich an und gebe anschließend die Zwiebeln hinzu. Die Mischung ist fertig, sobald die Zwiebeln glasig sind.
  3. Zerstoße den Kümmel in einem Mörser und gebe ihn mit Muskat zu den Zwiebeln. Schmecke mit Salz und Pfeffer ab.
  4. Für die Creme, püriere alle Zutaten zu einer glatten und klumpenfreien Masse. Salze ordentlich und schmecke mit Pfeffer ab. Mische die Zwiebeln unter.
  5. Heize den Backofen auf 200°C Umluft vor. Fette eine Tarte- oder Springform mit Olivenöl. Rolle den Teig dünn zwischen Backpapier und der Folie aus und gebe ihn in die Form. Richte den Rand noch hübsch in Form.
  6. Gebe die Zwiebel-Creme auf den Boden und backe für ca. 25-30 Minuten, bis die Creme eine leichte Bräunung bekommt.

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